Leserbrief zu diversen Artikeln zur SVP-Bildungspolitik

Nur wenige Wochen nach der deutlichen Abfuhr ihrer reaktionären Bildungspolitik durch das deutliche HarmoS-Ja im Kanton Solothurn biedert sich die SVP bei der Lehrerschaft an. Die organisierte Lehrerschaft macht seit Jahren auf den bevorstehenden, massiven Lehrermangel (Männermangel) aufmerksam und setzt sich für bessere Rahmenbedingungen ein.

Dass Mangel herrscht, hat weniger mit den Reformen als mit der Berufsattraktivität zu tun. Vorschläge zu deren Verbesserung werden vor allem von der SVP, welche der Lehrerschaft lieber genauer „auf die Finger“ schauen wollte, immer wieder bekämpft. Jetzt fordert ausgerechnet diese Partei wieder mehr „Freiheit“ für die Lehrpersonen. So agieren nur Wendehälse, wenn sie im Wahlkampf Stimmen fischen wollen. Der Sache dient‘s wohl kaum! Dass mit dem Ruf nach Methodenfreiheit etwas gefordert wird, was eh besteht und nicht in Frage gestellt ist, zeigt, dass wenig Wissen über den Schulalltag vorhanden ist. Und es zeugt von wenig Respekt gegenüber all den meist weiblichen Teilzeitangestellten, welche in den letzten Jahren in die Bresche gesprungen sind, wenn deren Arbeit abgekanzelt wird. Die Wichtigkeit einer Klassenlehrperson, Ordnung und Disziplin oder die Grundfertigkeiten wie Rechnen, Lesen und Schreiben werden von niemandem bestritten. Nur funktioniert Schule nicht mehr genau gleich wie vor 50 Jahren und gewisse Anpassungen und Veränderungen sind schon nötig. Z.B. der von der SVP kritisierte Lehrplan 21: Dass die Deutschschweizer Kantone einen gemeinsamen Lehrplan, welcher auch kantonale Eigenheiten berücksichtigt, ausarbeiten, kann nur im Interesse der Kinder und der Eltern sein. Oder macht es Sinn, wenn Mathematik im Kanton Aargau anders gelehrt wird? Übrigens erachten sogar die SVP Bildungsdirektoren im Gegensatz zu ihren Parteistrategen den Lehrplan 21 als ein wichtiges und sinnvolles Projekt. Ich erhoffe mir, dass bildungspolitische Fragen im Wahlkampf sachlich und mit Sachverstand diskutiert werden. Ahnungslosigkeit und Ignoranz tragen kaum zu einer positiven Entwicklung der Schule bei!

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