Braucht es eine Männerquote im Bildungsbereich?

„Gute Durchmischung heisst neu die oberste Losung und die Frage stellt sich, weshalb? Was spricht denn gegen Frauenteams?“ Über diese Fragen bin ich kürzlich in einer Kolumne einer Politikerin zum Thema Frauenquote gestolpert.

Ich finde diese Fragen mit Blick auf die Situation an der Volksschule diskussionswürdig, weil ich diese Durchmischung als sehr wichtig erachte. Wenn wir es zulassen, dass sich in gewissen Sparten spezifische Männer- oder Frauenberufe entwickeln, zementieren wir in den Köpfen der heranwachsenden Kinder und Jugendlichen feste Rollenbilder, welche diese als Normalität erleben. Auf die Schule bezogen heisst das, dass es erklärbar ist, wenn junge Männer kaum mehr den Lehrerberuf ergreifen. Ein Jugendlicher, welcher in der Volksschule auf keine männliche Lehrperson mehr trifft, wird sich kaum mit dem Lehrerberuf identifizieren können. Dieser ist ein klassischer Frauenberuf geworden, weil die Frauen für die Männer in die Bresche springen. Nur dank den Frauen funktioniert die Schule überhaupt noch. Bei einem Frauenanteil von gegen 80% ist es nicht verwunderlich, wenn Männer andere Berufe wählen. Nicht wegen der Frauen sondern wegen der gesellschaftlichen Akzeptanz und den Rahmenbedingungen! Ich plädiere lautstark dafür, dass Schülerinnen und Schüler in ihrer Ausbildung von Frauen und Männern gleichsam unterstützt werden und somit weibliche und männliche Vorbilder haben können. Die Auseinandersetzung mit beiden Geschlechtern sensibilisiert sie, Themen und Fragestellungen verschieden anzugehen und gibt ihnen differenziertere Antworten zur Bewältigung von Alltagssituationen und auf Lebensfragen. Jugendliche sollen sich mit beiden Geschlechtern auseinandersetzen müssen. Wie gewinnt man nun mehr Männer für den Lehrerberuf? Die Männer sehen anscheinend keine Anreize, in der Schule tätig zu werden. Das hat aus meiner Sicht weniger mit den belastenden Reformen – natürlich ist hier eine Beruhigung nötig – als mit den Rahmenbedingungen zu tun. Perspektiven bezüglich flexibler Karrieremöglichkeiten, Lohnentwicklung, verantwortbarer Klassengrössen oder ausreichender Zeit zur Bewältigung des Alltagsgeschäfts würden die Attraktivität grundsätzlich für Männer und Frauen steigern. Ein Beruf im öffentlichen „Schaufenster“ ist längst nicht mehr jeder Mann‘s Sache, da nützt alle Freude an der Arbeit mit Kindern nichts! Eine kürzlich erschiene Studie der Pädagogischen Hochschule Zürich zu dieser Thematik kommt zum Schluss, dass sich viele männliche Jugendliche bereits früh gegen den Lehrerberuf entscheiden. Darum soll zur Erhöhung des Männeranteils, bereits den Knaben in der Primarschule der Lehrerberuf schmackhaft gemacht werden. Erreichen will man das laut den Studienverantwortlichen, indem man den Knaben Führungsaufgaben z.B. in Gruppenarbeiten oder andere pädagogischen Erfahrungen in altersdurchmischten Gruppen ermöglicht. Auch die freiwillige Jugendarbeit soll gestärkt werden. Ob das reicht? Eine doch etwas dürftige Erkenntnis. Jugendliche brauchen „facts“ und müssen – wie die Studie auch festhält – rechtzeitig über die Möglichkeiten des Lehrerberufes orientiert werden. Für eine positive Argumentation braucht es aber interessantere Perspektiven und vor allem ist eine andere Wahrnehmung und Wertschätzung des Lehrerberufes in unserer Gesellschaft nötig. Dazu beitragen müssen wir selber auch: Tu Gutes und sprich darüber! Um wirklich attraktivere Rahmenbedingungen zu schaffen, braucht es ständigen gesellschaftlichen und politischen Druck. Kommen wir bald zur Einsicht, dass nur durch eine Quote aktiv Möglichkeiten zur Steigerung der Berufsattraktivität geschaffen werden? Nach meiner Einschätzung muss eine Männerquote jetzt diskutiert und eingeführt werden. Dann folgen Worten auch Taten. Von der Wichtigkeit, dass Jugendliche in der Ausbildung von beiden Geschlechtern begleitet werden sollen, wurde genug gesprochen. Damit wirklich auch etwas passiert, braucht es eine Vorgabe!

Mir ist es wichtig, dass Frauen UND Männer die Verantwortung für eine gute Bildung unserer Jugend übernehmen. Ich bin gespannt, ob und wie die Politik und die Gesellschaft auf diese unbefriedigende Situation reagieren!

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