1. August Ansprache Obergösgen 2014

Liebe Kinder und Jugendliche / Liebe Obergösgerinnen und Obergösger / Geschätzte Gäste Danke, dass ich mit euch – mit Ihnen ins Gespräch kommen darf. Meine Tochter, sie ist 11-jährig, hat mich kürzlich gefragt, warum Reden immer so ernsthaft seien und warum es überhaupt solche Reden brauche?

Warum braucht es solche Reden? Tradition? Ist das Ziel des Nationalfeiertags nicht eigentlich, über die Schweiz nachzudenken? Denken – nicht reden. Lustige Ansprachen habe ich am 1. August. selten gehört.

Es scheint, als wollte niemand am Nationalfeiertag witzig sein. Vielleicht aus Angst davor, missverstanden zu werden. Dann lieber ernst, das trifft den Mehrheitsgeschmack. Sie, liebe Anwesende, haben sich heute hier zusammengefunden, um zusammen den Geburtstag der Schweiz zu feiern. Wir besinnen uns an diesem Anlass auf das, was uns eint, was uns allen gemein ist, nämlich das «Schweizer sein» – ganz unabhängig davon, was das für jede und jeden von uns persönlich genau bedeuten mag. Wir besinnen uns heute auf das, was uns eint und nicht auf das, was uns trennt, sei es politisch, sei es beruflich, sei es in der Art und Weise, wie wir unser Leben leben. Da den richtigen Ton zu finden und nicht in irgendwelche politische oder lokale Fettnäpfchen zu treten, ist nicht ganz einfach. Am besten würdevoll staatstragend. Aber das ist hohe Kunst. Das Thema. Das ist gesetzt. Natürlich die Schweiz. Was denn sonst am Nationalfeiertag.

Doch im Detail wird‘s schwierig. Jahr für Jahr kämpfen Rednerinnen und Redner um die Deutungshoheit über unser Land. Meine Erkenntnis ist: Es gibt mehrere Schweizen. Doch diese Erkenntnis hilft nicht gerade beim Redenschreiben. Denn welche ist meine Schweiz? Will überhaupt jemand meine Schweiz kennen lernen? Hat nicht jeder seine eigenen, zumeist klaren, unverrückbaren Vorstellungen? Reden animieren zum Nachdenken, Nachdenken animiert zum Reden. Ich plädiere dafür – in meiner Schweiz-, dass wir Menschen wieder vermehrt lernen miteinander zu kommunizieren, einander zuzuhören und zu diskutieren. Z.B hätte am 14. Juli ein zusätzlicher, schnelle Anruf den Bewohnern der überfluteten Keller hier in Obergösgen – ausgelöst durch eine technische Störung beim Wasserkraftwerk Gösgen – einiges nützen können. Oder: auf eine schwierige E-Mail reagiere ich lieber mit einem Telefonanruf als mit einem weiteren E-Mail.

Wenn man einander hören und im Idealfall noch sehen kann, lässt sich vieles ganz anders austauschen: Konstruktiver, weil ich dann die Energie, die Gesten, das Wesen meines Gegenübers viel besser einordnen und seine Anliegen besser nachvollziehen kann. Vieles würde besser laufen, wenn wir mehr miteinander reden würden und zwar auch mit anders Denkenden. Dazu gehört zuerst die Bereitschaft, einander zuzuhören und zwar jedem Menschen, jedem Gegenüber, egal welcher Haltung und Herkunft, egal welchen Alters und welcher Bildungsschicht. Oft ergeben sich aus den Gesprächen erst weitere gute Ideen und sogar die guten alten Schweizerischen Kompromisse, die dann mehrheitsfähig sind. In Kontakt treten, sich austauschen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede finden: Ich habe mich sehr gefreut über die Einladung, hier in Obergösgen die 1. August Rede halten zu dürfen. Eine Möglichkeit zu kommunizieren, neue Menschen kennenzulernen, in einem Kantonsteil, den ich als ehemaliger aktiver Fussballer sonst eher nur von den Fussballplätzen kenne. Oberer Kantonsteil grüsst unterer Kantonsteil. Bettlach, mein Wohnort, liegt auch an der Aare. Ûber Bettlach liegt das Bettle-Schloss auch Burg Grenchen genannt.

Ihr Obergösger zeigt die Aare und die Burg Göskon sogar im Wappen. Die Aare verbindet uns, auch im Negativen, denn Bettlacher Land wurde vor der Jurägewässerkorrektion regelmässig überflutet. Die euch Obergösgern und uns Bettlacher wichtige Aare verbindet auch die beiden Uferseiten, heute mit Brücken, früher in Obergösgen mit einer Fähre, bei uns führt heute noch eine Fähre vom Storchendorf Altreu auf die andere Seite, in den Kanton Bern. Verbindungen, Brücken all dies dient der Kommunikation, um mit einander ins Gespräch zu kommen. In Bettlach darf ich mithelfen, den sogenannten Bettlebierobä zu organisieren. Bei diesem Fest trifft sich das Dorf auf ein Bettläbier, von meinen Kollegen und mir gebraut, und auf eine Bettläbierwurst und auf einen Schwatz. Keine Partyband und Rambazama, einfach miteinander ins Gespräch kommen. Die Leute schätzen das sehr und ich habe auf der Obergösger Homepage gesehen, dass ihr auch solche Anlässe an der Fasnacht, am Dorfmärit oder z.B. am Beizlifest organisiert. Miteinander ins Gespräch kommen. Haltet darum Sorge zu solchen traditionellen Festen. Auch zur 1. AugustFeier!

Nochmals meine Tochter: Auf meine Frage, was ihr am 1. August wichtig sei, antwortete sie mir: das Zusammensein mit anderen- bei uns heisst das „Besuch haben oder auf Besuch gehen“. Also das Zusammensein, miteinander sein, miteinander sich austauschen. Sowie die Eidgenossen auch miteinander gesprochen und sich ausgetauscht haben, zusammengestanden sind, zusammen für etwas eingestanden sind. Friedrich Schiller lässt in seinem Drama «Wilhelm Tell» im Mondeslicht auf dem Rütli die drei Eidgenossen ihren Bund mit folgenden Worten besiegeln: Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern. In keiner Not uns trennen und Gefahr. Wir wollen frei sein, wie die Väter waren. Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben. Natürlich wissen wir, dass diese Worte so nie geschworen worden sind. Es ist die dramatische Zuspitzung eines grossen deutschen Dichters.

Der Bundesbrief von 1291, der im Bundesbrief-Archiv in Schwyz aufbewahrt wird, hat eine nüchternere Sprache. Und trotzdem: Die Worte von Schiller sind stark und bringen die wichtigsten Beweggründe der damaligen Verfasser des Bundesbriefes gut auf den Punkt. Natürlich können wir aus diesen Worten als erstes einmal einen unbändigen Wunsch nach Freiheit herauslesen. Lieber Tod sein, als in der Knechtschaft leben – das sind starke Worte, ohne Zweifel. Aber aus diesen Zeilen lässt sich noch etwas Zweites herauslesen. «Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern.» Diese Worte zeugen vom Wunsch nach Gleichheit aller Menschen, zeugen vom Wunsch, dass kein Mensch sich über die anderen erheben solle, sei es aufgrund seiner Herkunft, sei es aufgrund seines Reichtums oder aufgrund eines erworbenen Amtes. Das beeindruckt mich. Es brauchte also die Diskussion, den Dialog, die Kommunikation, den Austausch, das „Zusammen Einstehen“ für etwas, damit das Werden der heutigen Schweiz gedeihen konnte. Und es brauchte die Menschen dazu: die Eidgenossen! Was ist mit den Eidgenossinen??? Vielleicht haben sie es bemerkt: Bei meiner Begrüssung habe ich nicht mit „Liebe Eidgenossen liebe Eidgenossinen“ begonnen. Wie sollte ich Sie dann begrüssen? Bei Schiller heisst es «Ein einzig von Volk von Brüdern». Glücklicherweise sind wir ja nun seit rund 40 Jahren – und gestatten sie mir anzumerken: erst seit rund 40 Jahren – nicht nur ein Volk von Brüdern, sondern auch eines von Schwestern. Eine Begrüssung mit «Liebe Brüder und Schwestern» finde ich aber auch nicht passend. «Liebe Frauen und Mannen» gefällt mir aus politischen Gründen gar nicht – sie können’s vielleicht nachvollziehen – und ebenso sprechen politische Gründe natürlich auch gegen die Anrede, welche wir an sozialdemokratischen Veranstaltungen brauchen, nämlich «Liebe Genossinnen und Genossen».

Diese Begrüssungsformel ist irgendwie links besetzt und selbst unter den Linken gibt es Leute, welche diese Anrede als etwas veraltet und verstaubt empfinden. Ich komme aber gerade nochmals auf diese Formulierung zurück. Ich habe sie also mit „Liebe Obergösgerinnen und Liebe Obergösger“ begrüsst. Mir scheint diese Begrüssung präzis, da ich mal davon ausgehe, dass sie wegen des Wohnsitzes auch auf alle zutrifft – ausser auf die Gäste natürlich. Und jetzt werde ich ein bisschen politischer, das darf ich als Politiker! Ich finde, dass es eigentlich schade ist, dass die Anrede «Liebe Genossinnen und Genossen» so klar links eingeordnet wird. Eigentlich würde sie ganz gut zum heutigen 1. August passen. Sind wir nicht alle auch Genossinnen und Genossen? Wir alle sind Teil eines Staates, der als weltweit einziger den Begriff «Genosse» im Namen führt. «Schweizerische Eidgenossenschaft», so lautet die offizielle deutsche Bezeichnung für unseren Staat. Und als Bürgerinnen und Bürger dieses Staates sind wir somit alle auch Genossinnen und Genossen – Eidgenossinnen und Eidgenossen nämlich.

Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, liebe Anwesende: Eigentlich ist dieser Name «Schweizerische Eidgenossenschaft» schon ein wenig seltsam, oder nicht? Viele Länder führen in ihrem Namen die Bezeichnung «Republik. Dann gibt es «Vereinigte Staaten» oder eine ganze Reihe von Königreichen, Fürstentümer und Emiraten. Aber einen anderen Staat, der sich Genossenschaft nennt, gibt es auf der ganzen Welt keinen mehr. Was ist das denn überhaupt, eine Eidgenossenschaft? Was unterscheidet eine solche Eidgenossenschaft von anderen Organisationsformen? Und was lässt sich daraus für uns ableiten? Was bedeutet es, eine Eidgenossin, ein Eidgenosse zu sein? Das Wort «Genosse» leitet sich vom althochdeutschen «Ginoz» ab. Im Mittelalter ist eine Person so bezeichnet worden, wenn man mit ihr ein gemeinsames Ziel verfolgt hat, eine Person, die vieles gleich oder ähnlich sieht, wie man selber. Ein «Ginoz» ist weiter aber auch eine Person, mit der man zusammen Erfahrungen gesammelt hat, mit der man zusammen Gefahren überstanden hat, vielleicht einen Krieg oder andere schwierige Zeiten. In unserem Sprachgebrauch ist die letzte Bedeutung dieses Wortes im Übrigen bis heute erhalten geblieben: Wir sprechen auch heute noch von einem Leidensgenossen, von einer Leidensgenossin. Seit Jahrhunderten haben deshalb Personen, die sich zusammenfinden, um zusammen und – und das ist ein wichtiger Punkt – gleichberechtigt ein bestimmtes Ziel zu verfolgen, dafür die Form der Genossenschaft gewählt.

Es geht also darum, nicht nur für sich, sondern für alle möglichst das Beste zu erreichen. Bereits aus dem Altertum sind Notbündnisse mit genossenschaftlichen Zügen bekannt. Im Mittelalter sind solche gemeinschaftlichen Zusammenschlüsse dann zur Regel geworden und haben dort, wo es kein Adel oder Patriziat gab, über weite Strecken das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben bestimmt. Manche dieser Genossenschaften sind aus purer Not entstanden. So gab es im Mittelalter z.B. Beerdigungs-Genossenschaften, welche dafür gesorgt haben, dass all ihre Mitglieder, unabhängig von ihrem Stand, Ansehen oder Vermögen ein schickliches Begräbnis erhielten. Genossenschaften sind aber auch dort entstanden, wo es um handfeste gemeinsame wirtschaftliche Interessen ging. Ich erinnere zum Beispiel an die Zünfte in den Städten. Im Alpenraum haben Bauern mit AlpGenossenschaften zusammen verhindert, dass das Gemeineigentum an Wiesen und Alpen hätte verschachert werden können. Dann kamen mit der Zeit auch Milch-, Käse- und andere LandwirtschaftsGenossenschaften dazu. Die Schweiz trägt heute aber nicht nur die Bezeichnung Genossenschaft in ihrem Namen, sie ist auch heute noch, wie vielleicht kein zweites Land, vom genossenschaftlichen Gedankengut geprägt.

In den meisten Schweizer Gemeinden gibt es auch heute noch unzählige WohnbauGenossenschaften. Vermutlich in keinem anderen Land sind die beiden grössten Detailhandels-Konzerne auch heute noch als Genossenschaften organisiert, so wie bei uns Migros und Coop. Aber auch in Bereichen, wo man es vielleicht nicht unbedingt erwarten würde, sind Genossenschaften tätig. Denken wir beispielsweise an die Finanzwelt und dort an die Mobiliarversicherung oder die Raiffeisenbank – beides Genossenschaften, bis heute. Alleine diese vier genannten Genossenschaften haben zusammen fünf Millionen Mitglieder, fünf Millionen Genossenschafterinnen und Genossenschafter. Mit anderen Worten: Wir alle, oder zumindest fast alle sind irgendwie und irgendwo Genossinnen und Genossen. Doch zurück zur Frage: Was unterscheidet eine Genossenschaft von anderen Organisationsformen? Und was lässt sich daraus für uns als Eidgenossinnen und Eidgenossen, was lässt sich daraus für unser Zusammenleben ableiten? Menschen schliessen sich, ich habe es bereits erwähnt, dann zu einer Genossenschaft zusammen, wenn sie zusammen ein gemeinsames Ziel verfolgen wollen. Ein Ziel, dass jede und jeder von ihnen alleine nicht erreichen könnte, gemeinsam aber schon. Und weil dem so ist, müssen sich die Mitglieder einer Genossenschaft ganz und gar aufeinander verlassen können, müssen darauf vertrauen, dass sich jede und jeder für das gemeinsame Anliegen einsetzt.

Denn alle wissen: Nur zusammen können wir es schaffen, nur zusammen sind wir stark. Eine Genossenschaft ist also der Ausdruck einer grossen gelebten Solidarität. Aber gleichzeitig ist eine Genossenschaft – und das ist eben kein Widerspruch – auch der Ausdruck von Selbstverantwortung. Genossenschafterinnen und Genossenschafter nehmen zusammen das Heft selber in die Hand. Sie überlassen die Lösung nicht irgendjemand anderem, der mehr Macht oder mehr Mittel zur Verfügung hat. Nein, sie suchen gemeinsam selbstverantwortlich nach Wegen, wie sie gemeinsam zum Ziel kommen. Eine Genossenschaft ist aber auch der Ausdruck einer gelebten Demokratie. Denn alle, oder zumindest alle wichtigen und zentralen Entscheide werden zusammen und gleichberechtigt getroffen. Die Stimme eines jeden Genossenschaftsmitglieds zählt gleich viel, jede und jeder hat gleich viel zu sagen. Es gibt keine Grossaktionäre oder Mehrheitsbesitzer, die einzig und allein aufgrund ihrer Stellung bestimmen, wo es lang geht, was als nächstes zu passieren hat. Weil jede Genossenschafterin und jeder Genossenschafter gleich viel zu sagen hat, sind Offenheit, Ehrlichkeit und Respekt unter den Mitgliedern die Grundvoraussetzung für das Funktionieren einer Genossenschaft. Der Dialog miteinander ist wichtig, der Austausch von verschiedenen Meinungen zentral, der Respekt vor anderen Ansichten unverzichtbar. Und hier bin ich wieder beim Anfang bei meiner Rede. Die Kommunikation ist der Schlüssel für ein erfolgreiches ZusammenMiteinander-Gehen.

Weiter machen Solidarität, Selbstverantwortung, Demokratie und Gleichberechtigung eine Genossenschaft am Ende aus, ganz unabhängig davon, ob sie jetzt auch noch das Wort «Eid» im Namen trägt oder nicht. Nur wenn sich die Mitglieder einer Genossenschaft diesen Werten verpflichtet fühlen und sie auch leben, dann kann eine Genossenschaft funktionieren, nur dann kann eine Genossenschaft ihr Ziel, für alle möglichst das Beste herauszuholen, auch erreichen. Ich bin mir sicher, liebe Obergösgerinnen und Obergösger, dass wir alle, die wir heute hier versammelt sind, uns selbstverständlich zu diesen Werten, die im Wort «Genossenschaft» stecken, bekennen und sogar bereit wären, einen Eid darauf zu schwören. Wir müssen uns allerdings auch fragen, ob wir denn diesen Werten auch immer genügend nachleben, in der Familie, im Beruf oder in unserer Gemeinde. Ist es „eidgenössisch“, wenn sich einige bei der Zuweisung von Flüchtlingen in eine abbruchreife Villa eher dem Boulevardmainstream verpflichtet fühlen als – ich betone – gemeinsam ausgearbeitete kommunale Lösungen zu unterstützen? Ist es „eidgenössisch“, wenn wir bei Problemen in der Nachbarschaft einfach wegschauen und lieber unsere Ruhe wollen? Ist es „eidgenössisch“, wenn Frauen für die gleiche Arbeit auch heute noch oft weniger verdienen?

Ist es „eidgenössisch“, wenn sich Gemeinden und Kantone gegenseitig die guten Steuerzahlerinnen und Steuerzahler abjagen, ohne sich Gedanken darüber zu machen, was das für das grosse Ganze bedeutet? Ist es „eidgenössisch“, wenn in der Wirtschaft weiterhin teilweise Löhne bezahlt werden, die dann vom Staat mit Ergänzungsleistungen soweit aufgebessert werden müssen, damit diese dann doch noch zum Leben reichen? Ist es „eidgenössisch“ – und das meine ich jetzt durchaus auch selbstkritisch –, wenn wir bei jedem Problem nach dem Staat und einem Verbot oder einer Vorschrift rufen? Ist es wirklich „eidgenössisch“, wenn man mehr und mehr vom «politischen Feind» und nicht mehr vom «politischen Gegner» spricht? Wäre es nicht viel mehr „eidgenössisch“, wenn man dem politischen Gegner, ob er nun links oder rechts steht, zumindest nicht von vornherein absprechen würde, dass auch er möglicherweise durchaus in guter Absicht handeln könnte, dass er das, was «das Beste für alle ist», vielleicht einfach anders definiert? Wäre es darum nicht viel mehr «eidgenössisch», wenn wir zwar in der Sache hart, aber fair, anständig und offen miteinander diskutieren würden? Wäre es nicht viel mehr «eidgenössisch», wenn wir uns wieder mehr als Gemeinschaft verstehen würden, in der Vertrauen und Respekt füreinander wichtiger sind als Abschätzung und Ausgrenzung?

Diese Fragen zu beurteilen und zu beantworten muss ich natürlich ganz allein Ihnen überlassen. Aber wenn ich heute, am Geburtstag der Schweiz, als Eidgenosse ein Wunsch frei hätte, so wäre es der, dass wir uns nicht nur heute am 1. August darauf besinnen, was sich hinter dem Wort «Eidgenossenschaft» eigentlich verbirgt, sondern dass wir auch versuchen, den Werten, die in diesem Begriff stecken und die deshalb den Boden unseres Staatswesens und unseres Zusammenlebens bilden, auch an den übrigen 364 Tagen des Jahres, in unserem Alltag, in der Familie, im Beruf und nicht zuletzt auch in der Politik wieder ein wenig mehr Beachtung schenken. Davon würden wir – und davon bin ich fest überzeugt – am Schluss alle profitieren. Genauso, wie es in einer „Eid-Genossenschaft“ auch sein müsste. Ich danke allen für die Aufmerksamkeit und fürs Nachdenken. Ich wünsche euch einen schönen und besinnlichen 1. August und freue mich jetzt auf die Gespräche mit euch Obergösgerinnen und Obergösger. Merc

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